Über SCU

SCU – Der alte Mann und das Flair

Ein modernes Drama in 7 Akten

SCu Solo (Foto:MIRKO POLO)

Fotoverwendung unter Angabe: Foto © MIRKO POLO

In diesen Tagen erblickt das Album eines MC`s das Licht der Welt. Sein Name ist SCU.
Vielleicht wird er vielen von euch heute kein Begriff mehr sein, aber dies sollte bald der Vergangenheit angehören.
Einen langen und steinigen Weg ist er gegangen,  bis in das Hier und Jetzt, als Rapper, durch die Straßen und Gassen der launischen Musikindustrie. So viele Geschichten hat die Zeit für ihn geschrieben , die einen voller Hoffnung und Farben, die anderen voller Tristess und Dunkelheit.

(Kurzversion der Album Info / SCU-Bio hier.)

SCU – »Der alte Mann und das Flair«

Kapitel 1
Über 20 lange Jahre sind nun ins Land gezogen, seitdem SCU seine Liebe zu Hip Hop für sich entdeckte und sein Leben schlagartig einen anderen Verlauf nehmen sollte.
Alles begann zu einer Zeit, in der man noch ein Alien war, wenn man mit weiten Hosen und pumpenden Beats aus dem Walkman durch die Straßen seiner Stadt gezogen ist, die Pieces an den Wänden und die Wholecars noch sehr rah gesäht waren, vereinzelte B-Boys und Girls inklusive 2 x 2 Meter PVC – Matten und Ghettoblaster durch die Einkaufspassagen des Landes strichen, um den ungläubigen Passanten die neuesten Moves und Steps zu präsentieren, bis sie von den hiesigen Sicherheitsbeauftragten wieder und wieder des Platzes verwiesen wurden.
Ja es war die Liebe auf den 1. Blick. Anders zu sein, sich von der Masse abzugrenzen und für etwas Besonderes zu stehen.

[Das Drama lieber vorlesen lassen? 
Hier gibt es die kontinuierlich bis Album-Release erweiterte Geschichte
visualisiert als eine Art Hörspiel]

Kapitel 2
Wir schreiben das Jahr 1992. An fast jeden Tag ging es in den ersten, gerade eröffneten HipHop Store der Stadt, um sich mit den wenigen Gleichgesinnten  auf der Mauer vor diesem über die aktuellen Tapes und kommenden Jams auszutauschen. Den Rest des Nachmittags verbrachte Scu meißtens im Plattenladen, um nach  frischen Juwelen aus Überssee zu diggen. Immer auf der Suche nach dem  neuesten, heißesten Scheiß, der zu dieser Zeit fast wöchentlich in Kleintsauflage über den Atlantik  zu uns kam und vorher nur partiell bei MTV Yo Raps auszuchecken war. Du musstest schnell sein um eine der Raritäten auf Vinyl für dich zu gewinnen. Die neuesten Beasty Boys-, Cypress Hill-, A Tribe called Quest-, WuTang Clan-, ja und noch so viele Scheiben sollten an dieser Stelle erwähnt werden, die auf Heavy Rortation liefen. Die Spuren der Plattenspielernadel vom Sperrmüll zeichnen sich bis heute auf dem schwarzen Plastik ab, das im Kellerzimmer zu Haus  immer und immer wieder so dermaßen laut gepumpt wurde, dass Mama und Papa „diesen Krach“ ,wie sie die Rap -Musik  ihres Sohnes  immer bezeichneten, kaum noch ertragen konnten, da die Bässe sie eine Etage darüber aus dem Sofa zu drücken drohten.

Ob er ein Rapper werden würde, das war ihm nicht sofort bewusst.
Erst als er mit 17 Jahren  Zeuge eines Bodycount – Konzertes wurde und in deren Vorprogramm eine Gruppe Namens Fresh Family plötzlich deutschsprachigen Rap zelebrierte, wurde ihm klar, dass er genau das auch tun musste.
Angespornt von den Freestylekünsten MC Rene`s und  den frühen Veröffentlichungen von Such a Surge, State of Departmentz und Phase 5, allesamt Braunschweiger Hip Hop – Pioniere der 1. Stunde, machte auch SCU sich mit einer Handvoll Wegbegleitern auf, erste Freestyles und Lyrics in die Welt hinauszutragen. Ja jede freie Minute sollte er fortan nichts anderes mehr tun als den nächsten Reim zu suchen, seinen eigenen Style zu kreieren und seinen Flow zu perfektionieren.  Die im Gegensatz zum englischen sehr hart klingende, deutsche Sprache zum fließen zu bringen, ähnlich seiner großen Mentoren aus den USA, nichts wollte er mehr.
Biggie, GZA und Method Men, B-Real, Busta Rhymes, Q-Tip, Lauryn Hill, die Buschbabees, Redman, Heltha Skeltha… ach von so vielen weiteren Acts aus der Golden Ära könnten wir erzählen…

Kapitel 3
Die Lyrische Präsenz, kurz Die L.P.,  nannte er seine 1.Band  und es verging kaum ein Wochenende an dem er nicht mit dem Wochenendticket auf eine Jam in irgendeine andere Stadt fuhr, um die Bühne mit seinen Jungs zu erobern und sich mit seinen Freestylekünsten einen Namen bis weit über die Grenzen seiner Heimatstadt zu machen. Und wenn er, kaum wieder zu Hause angekommen, nicht gerade an seinen Skillz feilte, scoutete er bestimmt für seine Homies an irgendeiner Wand, unter irgendwelchen Brücken an der Autobahn oder den Gleisen der Deutschen Bundesbahn. So viele Nächte wurden zum Tag gemacht!

Zu dieser Zeit, das Jahr 1994 ging langsam dem Ende zu, sollte er das 1. Demo mit seiner Band auf einem Kassettenrekorder aufnehmen und die 1. Auftritte spielen, vor denen er sich nicht selten die Seele aus dem Leib kotzte, bevor er sich diese danach aus dem Leib rappte. Sein Name verbreitete sich rasch, denn SCU und die Bühne, das sollte von Beginn an eine Freundschaft fürs Leben werden.

Niemals, nein niemals schien er müde zu werden. Und so ging es fast täglich nach der Schule zum Arbeiten in den Baumarkt am Rande der Stadt, um sich das nötige Kleingeld für seinen 1. Sampler, einen Akai S-2000, zu beschaffen, denn er hatte erfahren, dass er nur mit so einem Sampler fette Drums und Loops programmieren konnte, so wie die auf  seinen Lieblingsplatten aus den Staaten. Endlich eigene Beats zu produzieren, die schon so lange in seinem Kopf herumschwirrten, nichts wollte er mehr.

Kapitel 4
Zusammen mit seinem Weggefährten Italian Stallion, schraubte er fortan an den Beats für das 1. Vinyl seiner Band Die Lyrische Präsenz, eine eigens produzierte EP, die sie „Debut“ tauften und  in Scu`s Kellerzimmer mit noch spärlichen Mitteln auf einer 4 Spur, sowie ein paar geliehenen Geräten von dem sie keinen blassen Schimmer hatten, produzierten, bevor sie die 12 inch von seinem letzten Ersparten in einem polnischen Werk pressen ließen. Die 1. eigene Scheibe in der Hand. Sie klang nicht besonders gut, aber das spielte keine Rolle. Nein sie hatten noch keinen Deal oder technisches Verständnis, doch hatten Sie jede Menge Herz, Hunger und  Skillz. Und ja, sie hatten eine Vision.

Nachdem die ersten Scheiben ihrer Debut-EP an den Wochenenden mit dem Zug in die Plattenläden  des Landes gebracht wurden, schickte Scu auch ein paar Exemplare an vereinzelte Untergund-Labels. So geschah es, dass Vicente Don Celi, sein Name soll an dieser Stelle einmal erwähnt werden, die Platte zu hören bekam und Die L.P. nach Bremen einlud, um mit ihnen einen Song für eine Compilation aufzunehmen. Das 1. Mal ein  richtiges Tonstudio von innen gesehen. Das 1. richtige Release.  Nun gab es kein zurück mehr.  Geflasht von den Eindrücken beschlossen sie ihr 1. Album gemeinsam aufzunehmen und fuhren fortan fast jede Woche in die Hansestadt, um dort ihren Worten Taten folgen zu lassen.

Kapitel 5
Da war es also, das 1. Album von Die L.P.: „Überflieger nach vorn“. Nachdem man das Label Deck 8 aus Dortmund als Partner für sich gewinnen konnte, erschien die Platte im Jahre 1998. Die Konzerte waren voll, das Publikum heiß und SCU rockte die Bühnen der Republik. Es folgte eine Zeit die ihres gleichen sucht und so selbstverständnlich schien: etliche Singles, die Zündstoff-EP, unzählige  Features,  weit über 100 Gigs, viele tausende springende Headz in allen Teilen der Republik, Videorotationen auf MTV und Viva, Scu`s 1. Soloalbum „63000 Gramm Rapshit“ und das bis heute im Untergrund als legendär geltene  Die L.P. – Album „Opus Magnum“. So viele Eindrücke, so viel erlebt und gedacht es würde immer so weiter gehen. Alles schien perfekt und ein wenig wie in einem wunderschönen Traum, der nie zu Ende gehen wollte.

Doch es sollte ganz anders kommen. 3 Deutschlandtourneen und 5 Jahre als Vertragsmusiker später, brach die Welt, die Scu sich so naiv und spielerisch erschaffen hatte, über ihm zusammen. Illegale Downloads, das Ende von Deck 8! Insolvenz! Sämtliche Rechte an seinen Werken im Rechtsstreit verloren. Viele seiner Wegbegleiter gingen fortan andere Wege. Doch auch wenn Scu seinen Lebensunterhalt nun anders verdienen musste, sollte ihm seine Musik in den folgenden Jahren voller pesönlicher Rückschläge, Krisen und Krankheiten immer zur Seite stehen und vor noch viel Schlimmeren bewahren. Wenn er auch noch so weit unten angekommen und down war, aufgeben sollte er niemals!

Kapitel 6

Fragwürdige, ja strange und  heute nicht zu erklärende Wege ist er gegangen, verlaufen hat er sich ein ums andere Mal in diesen Jahren. Nicht mehr gewusst wer er ist und welchen Pfad er einschlagen sollte. Menschen von denen er dachte, dass sie seine besten Freunde wären, wandten sich von ihm ab. Es schien fast, als hätte er sich sich für immer verloren.

Endlich Land in Sicht! Wir schreiben das Jahr 2009. Rollo und Foxn, die Scu noch aus alten Die L.P. -Tagen  kannte, besuchten ihn in Berlin, was er seit 2003 sein zu Hause nannte. Langsam wurde ihm klar, dass er wieder zurück zu seinen Wurzeln gehen müsse, um mit sich  ins Reine zu kommen. Alles auf Null ! Straight HipHop-Shit nur für seine Seele! Als es Foxn kurze Zeit darauf ebenfalls in die Hauptstadt zog, beschlossen die beiden zusammen ein dopes Rap-Album  nur für ihre Freunde, die so abgefuckt vom Rapsound der letzten Jahren waren, zu produzieren. Die Cutcannibalz an den Wheels of Steel und Verückte Hunde waren geboren. Fortan arbeiteten sie jede freie Minute an ihrem Debutalbum, dass nach jeder Menge Milimeterfickerei 2011 das Lichte der Welt erblickte und nur aus dem eigenen Kofferraum unter die Leute gebracht wurde. Die Resonanz war so positiv, dass sie eine von Torky Tork produzierte EP  und das 2. VH-Album TOHUWABOHU im Jahre 2014 folgen ließen. Nun war SCU wieder endgültig auf seinem Flash und holte für TOHUWABOHU  noch einmal die alte SP-1200 aus dem Keller um Beats zu produzieren, wie sie früher einmal waren. Hungrig war und klang er wieder. Viele Gigs spielten sie zusammen und machten sich so schnell einen Namen in der Republik. Die Hunde zogen plötzlich so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass viele namhafte Labels  ihr Interesse bekundeten und sie sich im Sep 2014 nach langen Verhandlungen für Chapter One / Universal als Vertriebspartner entschieden. Ein starker Partner für ihr eigenes Independet-Label KeepItMovin sollte ihnen ganz neue Türen öffnen ohne ihre Vision dabei aus den Augen zu verlieren.

Kapitel 7
Scu war wieder also wieder voll in seinem Elememt! Nur eines schien irgendwie noch zu fehlen.

Es war an der Zeit seine Geschichte allen da draußen einmal zu erzählen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten würde und vor allem, weil sie es wert ist von jedem einmal gehört zu werden. Each one teach one. So hat SCU Hip Hop als Jugendlicher für sich entdeckt und nun war die Zeit kommen endlich von seinen Erfahrungen zu berichten. So produzierte sein Alter Ego Arranger Danger viele viele Beats und Scu verfasste die Verse seiner ganz persönlichen Geschichte auf Pergament. Was braucht man mehr als 10 Sekunden Samplezeit, einen Haufen 3,5 Zoll Disketten, Stift &  Buch, einer Retrospektive voller einschlägiger Erlebnisse & Erfahrunge, Knowledge, Stylez & Skillz und dem Hunger, der an seine Anfangstage erinnerte.

Ja nicht weniger dope als  als die VH-Scheiben, aber ein wenig deeper und nachdenklicher sollte sein Album werden, denn die Wendepunkte und Erfahrungen, die er in knapp 40 Jahren Lebenszeit gesammelt hat, haben ihn mehr denn je geprägt.  Seinen Ruf jedoch ein doper MC zu sein, sollte dabei nie auf der Strecke bleiben. Aber hört selbst.

SCU – »Der alte Mann und das Flair« ist ab 13.11.2015  überall erhältlich über KeepItMovin‘ vertrieben durch Chapter One Universal.

Updates auf SCUs Facebook Solo-Profil: www.facebook.com/SzudemQ

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